Newsletter Nr. 9
- Ajana Finger
- 30. Dez. 2025
- 17 Min. Lesezeit
Oktober 2025 - Dezember 2025
Heey zämä
Wir starten mit Danke sagen - Alakara nooi - Merci viiiiu mau !
Danke für euer mit uns sein in allen Bereichen. Es bedeutet uns so viel.
Seit mehr als drei Jahren sind wir nun in Uganda. Ihr könnt euch bestimmt vorstellen:
So alleine im weiten Busch, da kann man sich schon einsam und verlassen fühlen. Gerade weil wir es besonders liebten, in gemeinschaftlichem Leben unterwegs zu sein. Klar haben wir dies hier auch mehr und mehr und wissen es zu schätzen. Doch Gemeinschaft mit Schweizer Freunden ist nochmals anders. Es ist eben Heimat. Dies vermissen wir immer wieder mal. Sonst sind wir jedoch sehr happy, dass wir in Uganda angekommen sind und uns an vieles gewöhnt haben. Ja, das Leben hier ist jetzt normal für uns und wir können sagen, wir haben ein gutes Leben. Das alleine ist doch schon ein Wunder für sich. Auch dass immer noch alle unsere jungen Frauen ein volles Ja haben, hier zu sein, ist für uns Grund, dankbar zu sein. Nicht nur das. Jede hat ihre Aufgaben/Weiterbildungen, und sie machen es einfach sooo gut!
Wir erlebten in dieser Zeit keinen einzigen Unfall und Überfall. Angelogen und hintergangen werden wir hingegen oft. Ist immer alles nur rosarot? Nein, überhaupt nicht...
Doch alles in allem schauen wir überwältigt auf die letzten Jahre zurück.
Das Leben auf dem afrikanischen Kontinent öffnete unseren Horizont und gibt uns viele neue Sichtweisen. Es ist wirklich bereichernd für uns alle. Gleichzeitig ist es die pure Lebensschule für uns, welche wir uns nie erträumt oder auch nur vorgestellt haben.
Eine grosse Herausforderung ist es, die vielen Entscheidungen weise zu treffen.
Dies braucht immer wieder viel Kraft, Geduld und Flexibilität.
Wir sind nun in der Trockenzeit angekommen. Die schöne Wärme, kombiniert mit einem meist starken Wind. Das Morgenkaffee an der Sonne, durch den Tag am Schatten. Das genießen wir und gibt uns in unserem Alltag kleine Momente von Ferienfeeling - mit großem Vorstellungsvermögen ;) Es ist alles staubig, sandig und dürr.
Besuch in Lira & Gulu
Am Mittwoch, 19. November 2025 fuhren Nath, Mirä und Mariko um 6 Uhr Richtung Lira los. Den ersten Streckenabschnitt fuhren wir in Rekordzeit. Die Strassen waren einfach mehr als top. Kaum ein Schlagloch. Wir sahen Schlangen, ein Chamäleon, Affen, eine grosse Echse und Vögel in allen Farben. Es war richtig schön.
Der zweite Streckenabschnitt war dann das Gegenteil. Doch weil wir es uns gewohnt sind, war es okay. Wären wir neu im Land gewesen, hätte es uns manchmal Angst gemacht und wir hätten gedacht, da kommen wir wohl nicht durch. Alles in allem erreichten wir Lira gut, aber müde. Wir waren bisher noch nie in dieser Stadt.

Bald nach unserer Ankunft suchten wir eine Autofahrschule auf, bei der Robert bereits telefonische Abklärungen machte.
Es ging recht zackig und Mariko erhielt seinen Ausweis für das Tuktuk und Motorrad. Ebenso konnte Nath seinen Ausweis anpassen, so dass es ihm nun offiziell erlaubt ist, den weissen Van/Bus zu fahren. Fahrstunden mussten die beiden keine nehmen. Es reichte zu sagen, dass sie sehr geübte Fahrer sind.
This is Uganda :)
Ein zweiter Grund, nach Lira zu fahren, war Dan und Isaac zu besuchen. Beide lebten ein Jahr lang mit uns zusammen und stellten als Bauarbeiter das Kinderhaus fertig.
Als die Zwei uns im Dezember 2024 verließen, weil wir keine Arbeit mehr für sie hatten, erzählte uns Isaac: "Ich gehe nun nach Hause. Meine Eltern können mir eine Frau aussuchen, welche ich heiraten werde." Gesagt getan. Isaac heiratete, bezahlte den Brautpreis und jetzt sind die Beiden seit einigen Wochen Eltern einer Tochter.
Nachdem wir mit den Ausweisen fertig waren, machten wir uns auf den Weg, um seine Familie in ihrem Zuhause zu besuchen. Laut Isaac sei es in der Nähe vom Zentrum. Wir fuhren los und nach einer Stunde Fahrt kamen wir doch noch an. Herzlichst wurden wir willkommen geheißen. Uns wurde der Garten ihrer Familie gezeigt. Zwischen Bananenbäumen, Jack Fruit-, Orangen- und Zitronenbäumen sahen wir auch Ingwer wachsen. Ausserdem Passionsfrüchte, Kaffee, Sesam, Soja, Süßkartoffeln und vieles mehr. Dann wurde uns ein reichhaltiges, sehr leckeres Abendessen aufgetischt. Die Gastfreundschaft, die wir erlebten, ist schwierig in Worte zu fassen. Wir waren einmal mehr tief berührt. Es war ein schönes Beisammensein. Hier ein paar Impressionen:
Kurz bevor wir uns um 19.30 Uhr verabschiedeten, rief Isaac seinen Onkel an und organisierte für uns einen Platz zum Schlafen. Er begleitete uns mit dem Motorrad noch ein Stück, bis wir wieder auf der Hauptstraße waren, sodass wir das Zentrum wieder fanden. Das Hotel war mehrstöckig. Als wir hochgingen, klammerte Mariko sich ans Geländer. Es war ihm mulmig zumute. Für ihn unbekannt, da er das erste Mal in einem fünfstöckigen Gebäude war. Wir lachten :)
An diesem Abend merkten wir, dass auch Dan Freude hätte, wenn wir ihn in seinem Zuhause besuchen. Am nächsten Morgen besorgten wir in der Stadt noch Weihnachtsgeschenke für unsere Jungs und machten uns anschließend auf den Weg zu Dan's Familie. Wir fuhren Richtung Gulu, eine andere Stadt.
Wir waren so überrascht, als uns dort seine ganze Familie willkommen hiess. Ca. 20 Erwachsene und viele Kinder. Weil alle Familienmitglieder etwas scheu waren, organisierten sie einen Bekannten, der uns durch den Tag führte. Wir gingen direkt in ein Haus, und er fing an zu beten. "Let's humble ourselfs" wird hier oft vor dem Beten gesagt. Ist doch noch schön, oder?! Nach dem Gebet stand er auf, nahm einen Zettel hervor und erklärte das kommende Programm von diesem Tag. Punkt Nr. 1 sei Gebet. Doch dies sei ja jetzt schon beendet. Somit gehen wir zum Punkt Nr. 2, eine Vorstellungsrunde. Mittlerweile wissen wir, wie dies so in etwa abläuft. Doch anfangs Uganda war dies immer ein bisschen eine unsichere Angelegenheit für uns. Es ist anders, als wir es uns gewohnt sind. Doch es ist herrlich und so einfach, was wir geniessen.
Anschliessend gingen wir wieder auf einen Spaziergang. Laut ihnen 10 Minuten. Wir waren ja gespannt. Es wurden jedenfalls mehr als 2 Stunden. Jede Familie hat ihr kleines Gelände. Die meisten sind Selbstversorger. Ein paar Familien haben Hühner, andere wiederum haben Schweine, nochmals andere haben Ziegen oder eine Kuh. Kohle wird oft selbst hergestellt. Strom und fließendes Wasser hat dort hingegen niemand. Es ist so fruchtbar, da könnte man fast eifersüchtig werden. Hunger, sagten sie, kennen sie in dieser Region nicht. Nur ein paar Stunden von uns entfernt und es herrscht ein völlig anderes Klima. Die Häuser brauchen sie nicht abzuschließen, da nichts gestohlen wird, inklusive ihrer Ernte. Wir genossen diesen schönen Spaziergang und konnten wieder einiges erfahren und lernen. Auch liefen wir an einer neu gebauten Schule vorbei und durften noch kurz zu diesen Kindern sprechen.

Die Schule
Alles in allem können wir unser Glück in solchen Momenten fast nicht fassen, dies erleben zu dürfen. Auf jeden Fall fuhren wir nicht nur im Herzen reich beschenkt nach Hause, sondern auch noch mit frisch geernteten Süsskartoffeln, Cassava (Maniok), drei Hühnern und mit dem Wissen, Teil von zwei neuen, befreundeten Familien zu sein. Wir werden sie bei Möglichkeit wieder besuchen gehen. Kaum waren wir wieder zurück in Karamoja, noch zwei Autostunden von unserem Zuhause entfernt, hiess es schon: "Hey Lokolong. I need this..." Ja, Freud und Leid sind in unseren irdischen Leben nahe beieinander. Wir als Weiße werden hier sehr viel bevorzugt und gefühlt auf einen Sockel gestellt. Diesem geben wir jedoch möglichst Gegengewicht, indem wir die Einheimischen ehren und sie empor heben. Wir haben viel Respekt, wie sie ihr Leben, mit dem was sie haben, meistern.
Mütter in Not
Zurück in Kaabong kam eine Frau mit 3 Kindern bei uns vorbei. Ihre Schwester, die Mutter dieser Kindern, verstarb vor einem Monat. Vom Vater keine Spur. Jetzt muss diese Frau, welche selbst 5 Kinder hat, auch noch zu ihnen schauen. Auch ihr Mann verstarb. Wir besuchten sie in ihrem Zuhause und fragten sie, was sie dringend benötigt. Da sagte sie: "Ich bekam Wellblech geschenkt und möchte das Strohdach neu decken, da es undicht ist." Sie sucht Arbeit, wo sie nur kann, um ein paar Rappen pro Tag zu verdienen. Die Älteste von diesen 8 Kindern ist schätzungsweise 16 Jahre alt und benötigt Schulgebühren, wofür sie auch fragten. Alle anderen Kinder können bis jetzt nicht in die Schule gehen. Da sahen wir einmal mehr, was für ein Druck auf den Erstgeborenen liegt, in der Zukunft ihre Familie versorgen zu müssen.
Während sie uns alles erzählte, saßen wir dort, hörten zu, waren betroffen und kämpften auch mit den Tränen. Wir schauten uns an und wussten, da können wir keine Hilfe verweigern. Klar probierten wir ihnen nichts zu versprechen, ermutigten sie auch weiter, Gott zu vertrauen. Er ist unser und ihr Versorger. Er kennt unsere Wege, unsere Herausforderungen und unsere Engpässe. Zugleich versuchen wir nun, sie Schritt für Schritt, bei Möglichkeit zu unterstützen. In solchen Momenten gehen wir vielfach nicht nach unserem Kontostand, sondern nach unserem Herz. Wir vertrauen wie oben erwähnt, dass ER uns und auch LionHeart versorgt. Das erleben wir auch und trotzdem ist es immer wieder ein Schritt aufs Wasser. Dazu noch etwas später.
Solche Frauen wie sie, haben wir regelmäßig an unserem Tor. Einige nehmen wir in unser Essensprogramm auf, wodurch sie wöchentlich wenigstens etwas Essen erhalten.
Ebenso werden wir dann meistens zu einer Anlaufstelle, wenn weitere Herausforderungen auftauchen. Wenn die Leute aus einem anderen Stadtteil kommen, können wir sicher sein, dass in den darauffolgenden Wochen mehrere Menschen aus diesen Bezirken auftauchen werden.
Verhelft den Wehrlosen und Waisen zu ihrem Recht!
Behandelt die Armen und Bedürftigen, wie es ihnen zusteht!
Psalm 82.3
Ein Update der Zwillinge
Kurz gesagt ist es eine wahre Freude, wie sich die Zwillinge weiterentwickeln.
Laut einem Arzt sind die beiden kerngesund und brauchen nebst Essen und Führsorge kein spezielles Programm für unterernährte Kinder. Er meinte, sie seien auf einem super Entwicklungsstand. Sie sehen, hören, reagieren und es scheint, als haben sie keine Defizite, trotz Unterernährung der ersten 2.5 Jahre ihres Lebens.
Seit dem letzten Newsletter nahmen beide über 1.5 Kilo an Gewicht zu.
Raymond schaut sehr fürsorglich zu ihnen, als wären sie seine eigenen Kinder.
Nebst Raymond schauen vor allem Akello (ca. 10 Jahre) und Evelyn (ca. 8 Jahre) zu den Zwillingen - Tag und Nacht. Für die beiden Mädchen starteten wir einen einfachen Englischunterricht. Auf Tablets, welche wir von Nyffenegger Storenfabrik AG geschenkt bekamen, lernen sie einfache Wörter und Sätze in Englisch. Mittlerweile grüssen sie uns in Englisch und lernen sich zu verständigen. Auch verbringen sie viel Zeit im Kinderhaus und erleben dort auch Momente, wo sie einfach Kinder sein können.

Unser Teamtag
Es war eine ziemlich spontane Aktion. Anfangs November zeigte ein Freund (John) Nath und Mirä seinen Garten und sie waren fast sprachlos. Wir staunten, dass so etwas in Kaabong möglich ist. Sogar in der gleichen Strasse, in welcher wir leben.
Es ermutigte uns, das wirklich alles möglich ist. Daraufhin hatten wir den Gedanken, mit unserem Team dorthin zu gehen. Es war ein Volltreffer. Erstens hatte es alle beeindruckt. Zweitens haben wir einige Teammitglieder, welche leidenschaftliche Gärtner sind. John war köstlich. Er war völlig aus dem Häuschen. Kaum sassen wir dort, sprudelte es nur so aus ihm heraus. Auf einmal Mal unterbrach er: "Ohh, wir vergassen, uns vorzustellen." Und sprach daraufhin wieder weiter. Danach wieder: "Ohh, wir vergassen, vorher zu beten." Dann rief er einen auf, zu beten und kam wieder in sein Element. Er gab uns viele gute Weisheiten mit auf den Weg. Unter anderem: Think outside of the box! Wage Neues! Jedes Problem kann gelöst werden.
Es war ein sehr inspirierender Tag. Anschließend gingen wir als Team Essen.
Links seht ihr seine Ruhebank in seinem Garten
Die langen Schulferien
Mit diesem Ferienbeginn beenden sie hier in Uganda ihr Schuljahr.
Die Jungs kamen gut von der Schule zurück. Teils als Klassenbeste von mindestens 150 Kindern. Sie freuten sich auf die Ferien. Es ging wieder los mit Fußball und Ramba Zamba. Aber herrlich. Wir haben eine schöne Zeit zusammen. Friedlich, laut, lustig, hektisch, begeistert, nachdenklich, emotional. Alles ist mit dabei.

Ferienprogramm:
Alle dürfen ihr eigenes Brandy Dog herstellen, Lejah macht mit ihnen Bastelarbeiten, sie studieren einen Tanz ein und Fussball Spiele dürfen natürlich auch nicht fehlen.
Wir geben ihnen auch Nachhilfeunterricht. Ferienhighlights für unsere Jungs ist es, ein Süssgetränk + Fleisch an Weihnachten zu erhalten und Schlangenbrot an Silvester. Als Weihnachtsgeschenk erhielten alle eine Uhr und eine Tafel Schweizer Schokolade. Sie erhielten ausserdem einen Weihnachtshaarschnitt von Jonathan und Robert.
Es ist uns ein Anliegen, alles möglichst schlicht zu halten. Wir wollen unsere Jungs nicht zu fest verwöhnen, so dass ein Leben zurück in ihren Familien eine nicht noch größere Umstellung ist/wird. Zwei ältere Jungs vom Kinderhaus leben jetzt nämlich wieder bei Ihren Familien. Dies ist und war immer unser wichtigstes Ziel. Wir sind aber immer noch in engem Kontakt mit ihnen und sie dürfen uns auch besuchen kommen.
Auch zwei ehemalige Strassenjungs, welche LionHeart ein Jahr mit Schulgebühren unterstützte, hatten Schwierigkeiten, in den Schulferien Zuhause zu bleiben. Bei einem ist die Mutter psychisch krank. Beim anderen sind die Eltern bereits sehr alt, und er rannte in den Ferien immer wieder auf die Strasse. Sie sind nun bis auf Weiteres auch im Kinderhaus zuhause. Es erinnert uns an die Anfangszeit, als wir die ersten Jungs aufnahmen. Sie sind noch so richtig wild, hibbelig und machen das Mittagsschläfchen lieber noch draußen auf einer Bank als drinnen im Bett.

Jonathan (von ihm berichteten wir hier auch schon) ging im August 2025 als Baby-Christ zurück in die Schule. Seine Mitschüler erkannten ihn kaum mehr, da er vorher fast wortlos, sehr scheu und unsicher war.
Jetzt entpuppte er sich als mutig und sehr redegewandt. Jona, wie wir ihn nennen, erzählte Vielen, wie er Jesus erlebt hat. Über 30 Mitstudenten konnte er taufen und noch viele mehr folgen Jesus nach. Er selbst erlebt praktisch, wie der Heilige Geist ihn lehrt. Er ist ein Riesenzeugnis, was ihn, aber auch uns alle sehr freut!
Update Strassenkinder
Mit der örtlichen Regierung sind wir immer noch daran, die neuen Straßenkinder wieder in ihre Familien zurückzubringen. Viele Eltern sandten ihre Kinder, mit der Hoffnung auf Schulgebühren, erneut auf die Strasse.
Auch hier gilt die Meinung: Wer Kinder produzieren kann, muss auch die Verantwortung übernehmen und sich um sie kümmern. Bei speziellen Fällen schaut man genauer hin und sucht zusammen nach Lösungen. Wir erleben eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen hier. Auch wenn Kaabong eine Stadt ist, fühlt es sich eher nach Dorfleben an, was es wiederum persönlich macht.
Die meisten Kinder wurden bereits interviewt und die Personalien der Eltern erfasst.
Das zuständige Team fuhr mit einem Pickup durch die Stadt und die Dörfer und informierten sie über Lautsprecher, dass alle Eltern ihre Kinder von der Strasse wegholen müssen. Am selben Abend holten die Ersten ihre Kinder bereits nach Hause.


Praktische Hilfe
Ein uns bekannter Mann zeigte uns vor längerer Zeit sein Lehmhaus. Dies drohte einzustürzen. Seine Tochter wollte in der Regenzeit gar nicht mehr dort schlafen, weil sie Angst hatte, dass es zusammenbricht. Ob mit oder ohne Fremdeinwirkung (wir wissen es nicht) stürzte ein Teil des Hauses eines Tages ein. Nath sass mit ihm zusammen und der Mann bat ihn, zu kalkulieren, was es braucht, dieses Haus zu renovieren.
Die Kosten wurden auf 250.- geschätzt. Nun begann die Geschichte, wie es hier so oft üblich ist. Als Erstes wurde alles abgerissen... von wegen "renovieren". Zweitens wurde der Mann von einem Angehörigen mit kaputten und schwachen Bausteinen betrogen. Intervenieren war nicht mehr möglich, da das Geld bereits weg war. So entstanden schon mal Mehrkosten. Als wir vor Ort prüften, sahen wir, dass auch das Fundament des Hauses um einiges größer gebaut wurde, als ursprünglich abgemacht. Ohne uns zu fragen oder vorher zu informieren. Ach... Somit wurde natürlich nochmals viel zu wenig Geld berechnet. Wir waren damit nicht einverstanden und setzten die Weiterarbeit einen Monat aus. Klar hatte dieser Besitzer keine Chance, selber weiterzubauen. Wir wollten aber ein Zeichen setzten. Unsere Möglichkeiten sind ja auch nicht endlos und Abmachungen müssen eingehalten werden. Dies müssen sie auch wissen. Schließlich wollten wir dieses Projekt doch noch abschließen. Die Maurer machten eine gute Arbeit. Dann kam der Sohn des Mannes vorbei, völlig betrunken und brachte eine frische Mauer zum Einstürzen. Als Strafe brachte der Vater seinen Sohn für zwei Tage und Nächte in die Zelle. Als dieses Haus schlussendlich fertiggestellt wurde, waren wir erleichtert.
Weihnachten
Zu Weihnachten wünschen sich die Leute hier eigentlich "nur" neue Kleider und Schuhe als Geschenke. Ebenso ein leckeres Essen, wenn möglich mit Fleisch.
Zuerst waren wir zögerlich, da wir Respekt hatten, überrannt zu werden :) Doch relativ spontan gaben wir trotzdem Gas und konnten großzügig Geschenke verteilen.
Solche Geschenke verteilen zu können, macht uns immer wieder Freude: Reis, Kartoffeln, Kabis, Süssgetränke, Seife, Kleider und Schuhe.
Nyah nähte ein paar Tage vor Weihnachten noch für fünf ältere Herren ein Hemd.
Finanzen
Hier ein transparenter Einblick in unsere Finanzen. Im Jahr 2024 bekamen wir im Schnitt monatlich 7'000.-
Im Jahr 2025 waren es um die 8'000.- Wir staunen, was wir alles mit diesem Geld tun konnten/können. Wir bezahlen damit die Lohnkosten der Mitarbeitenden, die Mieten und die Autokosten. Der Rest kommt den Menschen hier vor Ort zugute. Es ist genial, dass sich der Wert hier vervierfacht! Vielen Dank für jeden einzelnen Schweizer Franken, welchen ihr uns im Vertrauen gesendet habt. Je mehr Geld wir zur Verfügung haben, desto mehr können wir hier auch praktische Hilfe leisten.
Mehr Geld ist jederzeit herzlich Willkommen ;-), da wir immer noch viele menschenunwürdige Zustände sehen und noch einige grosse Träume für die Community haben. Bis jetzt bezogen wir keinen privaten Lohn. Es wäre schön, wenn wir uns eines Tages auch einen ugandisch angemessenen Lohn auszahlen könnten, als einen Anteil an unsere Lebenskosten.
Vor Weihnachten wurden wir benachrichtigt, dass die Schweiz nun erlaubt, Spenden für LionHeart Africa bei den Steuern abzuziehen (sofern sie auf das entsprechende Konto vom Verein Schweiz einbezahlt werden).
Dazu werdet ihr auch direkt vom Verein Schweiz informiert.
Persönliche Gedanken
Alle Statements wurden unabhängig voneinander geschrieben.
Nyah
Ich habe im November 2025 die 8. Klasse beendet und bin jetzt noch an der 9. Klasse.
Mir geht es hier in Kaabong sehr gut. Nebst der Schule bin ich viel am Nähen. Auch wenn ich es mir nicht ausgesucht habe, bin ich jetzt die Näherin von LionHeart :)
Im Frühling wollen wir zwei Nähmaschinen kaufen und bereits hat sich die erste Frau für einen Kurs angemeldet.

Eine befreundete Familie von uns bekam ein großes Stück Stoff geschenkt. Sie fragten, ob wir aus diesem Stoff Kleider für ihre 7 Kinder zu Weihnachten nähen könnten. Ich zögerte zuerst, doch entschied mich schließlich dazu und setzte mich hinter die Nähmaschine.
Joy half mir etwas dabei, und mit Tipps vom Grosi sowie learning by doing, kamen die Kleidungsstücke langsam zusammen. Seht selbst :) Könnt ihr euch die Freude dieser Familie vorstellen? Auch die Eltern bekamen ein selbst genähtes Hemd und einen Rock. Ebenso erhielten sie Schuhe und nach diesem Foto ein neues T-Shirt.
Lejah

Wie die meisten von euch wissen, ist Lokolong (2 Jahre alt) oft bei mir. Vielfachs durch den Tag, manchmal auch in der Nacht. Er bringt viel Freude und ich geniesse die Zeit mit ihm sehr. Was mich immer wieder herausfordert, ist, dass er in seinem Zuhause überhaupt nicht erzogen wird oder dann mit Schlägen, auch wenn er teilweise nicht einmal weiss, was er falsch machte. Bei seinen Eltern bekommt er alles, was er will. Dies macht es für mich anstrengender, konsequent zu sein, aufgrund seiner Reaktionen.
Auch kann ich selten bis nie meinen Alltag planen, da ich nie weiss, ob und wann er kommt oder auch nicht. Dies fordert mich sehr. Es lehrt mich aber viel. Was mich auch sehr beschäftigt, ist, wie viele Eltern hier kein Herz für ihre Kinder haben. Sie sind hart und taff zu ihnen und missbrauchen sie oft in Auseinandersetzungen als Erpressung/Waffen gegenüber dem anderen Elternteil. Dies erlebe ich auch immer wieder bei den Eltern von Lokolong. In diesem Wissen braucht es mich umso mehr, Lokolong nach Hause gehen zu lassen. Zugleich ist es mir wichtig, dass er wie einer von hier ist. Es ist ein laufender Prozess. Ich investiere viel Zeit in die Mutter von Lokolong, um ihr den Weg der Liebe und zugleich der Klarheit aufzuzeigen.
Ansonsten geht es mir sehr gut und ich weiss, dass ich am richtigen Ort bin. Das hilft mir auch an schlechten Tagen. Jetzt gerade hatte ich Malaria und Typhoid, was mich sehr schwächte. Wir haben hier aber super Menschen, welche sich um uns kümmern. Momentan absolviere ich einen Erste-Hilfe-Kurs online. Dies ist eine super Möglichkeit, mich in diversen Themen weiterzubilden.
Joy
Ich bin hier in Kaabong nach wie vor zuhause und sehr dankbar für die letzten drei Jahre. Dabei lehrte es mich zwei sehr wertvolle Dinge:
1) Es geht nicht um mich und meine Gefühle, sondern um Jesus! Denn wir wurden nicht dazu berufen, uns von Gefühlen leiten zu lassen, sondern vom Heiligen Geist. Es ist bis heute ein Prozess und eine tägliche Entscheidung, meinen Fokus auf Jesus zu setzen und nicht auf mich selbst oder die Welt.
2) Hingabe. Jesus in jedem Bereich alles zu geben. Ohne Kompromisse. Das war und ist ein schmerzhafter Prozess, der sehrwahrscheinlich nie aufhören wird. Aber es lohnt sich absolut! – «Denn wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben für mich aufgibt, der wird es für immer gewinnen.» Matthäus 16,25

Die grösste Herausforderung ist für mich, in der Freiheit eingeschränkt zu sein. Nicht alleine spazieren und in die Stadt gehen zu können.
Jetzt ist die erste Hälfte der Ferien von unseren Boys vorbei. Ich liebe diese Zeit mit ihnen und sie sind wie «brothers» für mich :). Die Zusammenarbeit im Team von LionHeart Africa macht Spass, ist aber auch herausfordernd. Wir Schweizer haben eine ganz andere Logik und Arbeitsmoral als die Afrikaner, speziell die Karamojong’s. Mich lehrt es immer wieder aufs neue, Tag für Tag zu nehmen, wie es kommt!
Nath

Immer wieder bin ich am gleichen Punkt: Was für eine Ehre ist es, an diesem Ort zu sein und Menschen ganzheitlich zu helfen/dienen. Sooo viel fühle ich mich nicht fähig und überfordert, all den Herausforderungen zu begegnen. Dabei begleitet mich ein Spruch von Anfang an: Gott beruft nicht die Fähigen, er befähigt die Berufenen! Sehr nice.
Ich bin sehr dankbar, dass es unseren Kindern so gut geht und jedes seinen Platz gefunden hat oder findet… Unglaublich, wie unser himmlischer Vater alle versorgt. Das heisst nicht, dass es für sie total «easy peasy» ist. Viele innere Kämpfe, aber sie sehen alle, was sie hier bewirken können und dies motiviert sie sehr. Schön zu sehen, dass ihr Fokus nicht nur auf diese Welt gerichtet ist, sondern auf die Belohnung, welche auf sie wartet…
Ich fühle mich in Uganda immer mehr zuhause auch wenn Mentalität, Denkweise, Beziehungsverständnis und vieles mehr total anders ist. Mehr und mehr lerne ich dies zu verstehen und damit umzugehen. Bin aber noch lange nicht durch damit…
Es gelingt mir immer mehr, mich nicht für alles verantwortlich zu fühlen. Dies ist noch nicht lange so. Aber es hat mich sehr viel unnötige Energie gekostet. Mittlerweile kann ich besser delegieren und es dann wirklich abgeben. Lange wollte ich alles kontrollieren, damit es ja gut kommt. Welche Arroganz… ☹
Durch diese Änderungen in mir habe ich mehr Energie und bin nicht mehr dauernd nach Luft am Schnappen. Es ist wirklich sehr, sehr cool und eine neue Lebensqualität.
Darum alles in allem: Ich bin am richtigen Ort, bin zufrieden, glücklich und freue mich auf weitere, spannende Zeiten. Am meisten freue ich mich, dass Jesus bald wiederkommt und echte Liebe, Frieden und Freude auf diese Welt bringen wird! Frei von all diesem Schlamassel und Elend, welches überall auf dieser Welt herrscht. Bis dahin gebe ich mein Bestes, damit möglichst Viele dies persönlich durch Jesus erleben.
Mirjam

Wenn ich mir so überlege, welchen Schwank ich aus meinem Herz teilen möchte, könnte ich fast ein Buch schreiben. Doch keine Angst, ich fasse mich kurz.
Loslassen und Gott machen lassen, ist etwas, was ich in den letzten Jahren besonders gelernt habe. Dies schafft Vertrauen, wie ein Kind in den Armen seiner Eltern.
Wir feierten gerade Weihnachten. Als der Engel Maria sagte, dass sie ein Kind erwarten würde, meinte sie; "Ich gehöre dem Herrn, ich bin bereit. Es soll an mir geschehen was du gesagt hast." Maria war jung. Ihre Antwort beeindruckt mich. Es war eine Schande, als nicht verheiratete Frau ein Kind zu bekommen. Dies kennen wir hier aus der ugandischen Kultur nur zu gut.
Als der Heilige Geist im Frühjahr 2022 anfing, mit mir über Uganda zu sprechen, wünschte ich mir, so wie Maria reagiert zu haben. Doch nein. Ich fiel fast in eine Depression.
Es kostete mich alles. Es war nochmals ein total anderes Level, alles Normale und so Gewohnte loszulassen. Meinte ich doch bis anhin, dass ich gar nicht so schlecht sei in diesem Loslassen. Ui...
So wie ich die Bibel verstehe und sehe was in dieser Welt abgeht, wird es für uns Kinder Gottes in diesem Thema noch weitergehen. Ich bin so froh darüber, dies immer wieder gelernt zu haben und natürlich weiter dran zu bleiben. Es ist pure Gnade, doch es erfordert auch tägliche Entscheidungen von uns.
God is good all the time. Dies erlebe ich, auch wenn es um mich herum manchmal stürmt. Wenn ich masslos überfordert bin, mich nicht fähig fühle, etc. Doch ja, ohne IHN bin ich nichts. Mit IHM aber alles! Friede im Herzen zu haben, trotz allen Herausforderungen und dankbar zu sein. Wir haben einen Gott, der lebt.
Jesus, der einst als Baby in einem Stall geboren war, umgeben von Kuhmist, ekligem Gestank und Dreck ist jetzt, wie ich glaube, bei seinem Vater im Himmel. Jesus wird auch wieder zurück auf diese Erde kommen. Jeder Mensch wird seine Knie vor IHM beugen und sehen, dass dies alles real ist. Mach dir doch einmal Gedanken dazu. Bist du auch ready? Gott, gibt es dich wirklich? Bei Fragen darfst du dich liebend gerne auch an mich wenden. Sodeli, jetzt höre ich auf ;)
Ajana

Für mich ist es mittlerweile ein großes Privileg, an so einem Ort leben zu dürfen und den Menschen hier in ihren Nöten zu dienen. Dementsprechend geht es mir gut. Nach wie vor bleibt es eine tägliche Entscheidung, gewisse Vorstellungen, wie mein Leben aussehen sollte, loszulassen. Manchmal gelingt dies besser und manchmal auch weniger gut.
Doch in allem lerne ich: Jesus genügt völlig!
Heutzutage geht es bei uns Menschen meist darum, wie wir uns fühlen und was wir uns Gutes tun können, damit es uns gut geht. Dabei spreche ich auch für uns Christen.
Doch in meinem Verstehen ist dies falsch. Unser Leben auf dieser Erde dreht sich NICHT um uns!! Es ist entscheidend, von uns selbst wegzuschauen und den ganzen Fokus auf Jesus zu legen. Somit spielt es keine Rolle, ob wir uns in gewissen Situationen gut oder schlecht fühlen. Denn alles, was wir tun ist für IHN.
Die Frage, welche ich mir oft stelle ist: Wofür will ich leben? Für mich selber? Oder für unseren Creator?
Das Beste ist: Trotz allem, was ich bisher losließ, kann ich überzeugt sagen, dass es mir NIE besser ging als jetzt. Warum? Weil mein Fokus darauf liegt, das zu tun, was Gott mir sagt und nicht auf mich selbst zu schauen. Dies ist meiner Meinung nach der Schlüssel zur Dankbarkeit.
Nebst meinen inneren Prozessen geniesse ich selbstverständlich auch das frische Eheleben. Zusammen das Leben zu managen macht Spass :)
Ausblick
Tom und Susanne kommen uns Ende Januar für einen Monat besuchen.
Anfangs Februar bringen wir fast 70 Kinder/Jugendliche zurück in die Schule. Sie werden in das neue Schuljahr starten.
Es ist geplant, dass Joy und Amos ihre Autoprüfungen im Februar (auch in Lira) absolvieren.
Im März/April starten wir wieder mit Landwirtschaft, mit mehr Land. Diese Ernte wird jetzt für LionHeart sein und nicht mehr für YMEM (Spitalküche).
With Love Fingers & Ssekiziyivus
And we wish you all the best for the year 2026





























































































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