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Newsletter Nr. 10

  • 4. Apr.
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Apr.


Hey Fründä, Familiä und Interessierti



Januar 2026 - März 2026



Wir als Familie Finger - Ssekiziyivu können euch sagen, dass es uns gut geht.

Ja, sogar sehr gut. Wir schätzen es, zusammen zu arbeiten und jedes Einzelne hat seine Arbeitsbereiche. Vieles ist nun aufgebaut und geregelt. Einerseits ist unser Leben ein Abenteuer, von dem wir manchmal immer noch fast nicht glauben können, es zu erleben. Andererseits ist ein großer Teil unseres Alltages auch normal und läuft immer etwa gleich ab... Schulferien der Kinder, hier und dort helfen, Abklärungen machen, Sitzungen, Wundversorgungen, Bibelstudys - und alles braucht ja hier bekanntlich ein bisschen mehr Zeit. Das Wort "hurti" haben wir aus unserem Wortschatz gestrichen ;)




Ferien & Schulstart





Vielleicht begeistert euch dieses Video auch. Für uns ist es immer wieder eine grosse Freude, diese Worshipzeiten zusammen zu erleben. Wir hatten 2 Monate eine superschöne Schulferienzeit mit unseren Jungs. Ins neue Jahr starteten wir mit Schlangenbrot, das sie als das "Güetzi" um den Stock bezeichnen und welches immer wieder ein riesen Highlight ist.


In diesen Schulferien gab es einige Veränderungen:

Zwei der Jungs verbrachten die meiste Zeit in ihrem Zuhause.

Alle besuchten im Minimum einen Tag ihre Verwandten und einige der Jungs konnten wir zum ersten Mal für 1 bis 3 Wochen nach Hause bringen. Dies erlebten sie mehrheitlich gut. Einige kämpften jedoch mit Hunger, da fast kein Essen vorhanden war. In dieser Zeit Zuhause waren sie diejenigen, die Familienmitglieder (meist jüngere Geschwister) anwiesen, wie sie sich bei Streit oder negativen Emotionen zu verhalten haben.

Die Familien waren überrascht, wie arbeitswillig und verändert die Jungs sind.

Dies war ein schönes Feedback! Was Liebe und Annahme ausmacht...

Wenn unsere Jungs ihr Erlebtes erzählen, zeigt es uns immer wieder auf, dass sie wirklich aus dem Busch kommen. Einer musste fast täglich mit Pfeil und Bogen auf Antilopen Jagd gehen, sie fangen Ratten wie wild und brauchen ihre selbstgemachten Steinschleudern, um Vögel abzuschiessen um sie dann zu essen :)

Ein Junge kam früher zurück, weil seine Familie am Abend von Warriors (so nennt man hier die Krieger) angegriffen wurde. Ihm ist nichts passiert. Jedoch wurde seine schwangere Schwester verschlagen. Das Militär und die Polizei mussten dann eingreifen.





Das Beste, was wir euch mitteilen können, ist: für das neue Schuljahr, welches im Februar startete, war es uns möglich, die Jungs in eine Privatschule zu bringen. Dort leben und schlafen sie für drei Monate.


Am 21. März fand der Besuchstag dieser Privatschule statt.

Dies ist in Uganda einmal pro Semester üblich.

Die Jungs machten einen zufriedenen Eindruck auf uns. Sie erzählten, dass es ihnen gut geht und sie sich wohl fühlen. Wir vermuten, es hat auch damit zu tun, dass sie genügend Essen erhalten ;) Drei Mahlzeiten pro Tag sind hier nicht üblich.


Die Lehrer rühmten sie und äußerten keine Beschwerden bezüglich der Jungs.

Drei von ihnen wurden von ihren Mitschülern gewählt, um gewisse Verantwortungen zu übernehmen (Gelände, Essen, allgemeiner Überblick).

Auch akademisch haben sie bisher gut abgeschnitten. Ebenso diejenigen, welche an der vorherigen Schule Mühe hatten.

Sie werden durch die Lehrer sehr gestützt und geleitet, was sich in ihrem allgemeinen Zustand widerspiegelt. Wir sind happy!





Für drei Jungs, welche mittlerweile für das Leben im Kinderhaus zu alt sind, war unser Anliegen, etwas anderes als Schule anzubieten. Sie sind bereits um die 20 Jahre alt und waren noch in tiefen Primarklassen. Wir wurden darauf aufmerksam gemacht, dass ein paar Stunden von uns entfernt ein Skills-center existiert. Am 29. März wurden sie von unserem Team dorthin gebracht.


Ankunft beim Skills-center
Ankunft beim Skills-center

Sie werden für 6 Monate dort sein und haben die Möglichkeit, Koch, Bäcker, Schreiner, Schuhmacher, etc. zu erlernen. Wenn sie nach dieser Zeit zurückkehren, möchten wir gerne eine Aussenstation für Jugendliche aufbauen, wo sie mit Unterstützung und Begleitung von LionHeart wohnen können. Dies ist jedoch noch am Werden. Step by step...




Philip


Philip (der Junge im Bild unten) kennen wir seit 2.5 Jahren. Er war ein Strassenjunge und anfangs sehr ruhig und verschlossen. Wir erinnern uns an den Moment, als er ganz scheu für ein paar Schulbücher fragte. Seit diesem Moment unterstützen wir ihn mit Schulgebühren und allem, was dazu gehört. Mittlerweile ist auch er nicht mehr ein Teil der Jungs vom Kinderhaus (altersbedingt), wohnt jedoch in einem Zimmer auf dem Kinderhaus Gelände.

Philip ist ein Minileiter, ist die Freude in Person, ist seriös und verantwortungsbewusst.

Er liebt Jesus und ist ein gutes Vorbild, was auch die anderen Jungs wahrnehmen.

Es ist uns eine Ehre, junge Menschen wie ihn zu begleiten und zu sehen, wie sie sich entwickeln. Da übersprudeln unsere Herzen.

Er wird zusammen mit anderen Studenten von LionHeart gesponsert, ist in der Oberstufe und lebt in der Ferienzeit noch bei uns. Wie oben erwähnt, wird auch er in Zukunft mit anderen jungen Erwachsenen zusammen wohnen.






Besuchstag LionHeart Africa


In dieser Ferienzeit fand unser erster, offizieller Besuchstag für die Eltern aller ehemaligen Strassenjungs statt, welche in irgendeiner Form von LionHeart Africa unterstützt werden.

Die Eltern/Angehörigen kamen von nah und fern. Einige der Jungs warteten vergebens auf Besuch. Sie waren traurig. Diejenigen, welche Besuch erhielten, freuten sich darüber, doch wieder andere wussten nicht, was mit ihren Eltern anfangen. Es ist eine harte Kultur.

Es gab, wie hier in Uganda üblich, ein paar Ansprachen diverser Personen von den Behörden, Polizei, LionHeart und den Eltern. Unser Ziel war es, den Eltern Einblick in die Arbeit von LionHeart zu geben und sie zu sensibilisieren, gut und verantwortungsbewusst zu ihren Kindern zu schauen. Danach führten ein paar unserer Jungs einen Tanz auf.

Ebenso gab es ein feines Mittagessen. Am Schluss organisierten wir eine Tombola, damit niemand mit leeren Händen nach Hause gehen musste. Es war ein lustiger und gelungener Tag mit Spiel und Spass.






Prüfung Kinderhaus


Im Februar kam nochmals ein Inspektor von Kampala, um das Kinderhaus und unsere Arbeit genauer unter die Lupe zu nehmen. Im Allgemeinen war er sehr zufrieden, machte uns jedoch darauf aufmerksam, dass wir organisatorisch noch einige Dinge verbessern können. Wir sind dankbar, das Kinderhaus Zertifikat jetzt in unseren Händen zu haben und offiziell als Kinderhaus anerkannt zu sein. Es war eine grosse Bürokratie über mehrere Monate.





Unsere Nachbarin Alice


Alice ist eine einfache Frau. Sie erlebte sehr viel Tragisches und hatte seit Längerem keine Möglichkeit, irgendwo zu wohnen. Eines Tages kam sie in das Häuschen von ihrem Bruder, gegenüber von uns, welches seit Kurzem leer stand. Sie ist sehr fleissig und sucht täglich Arbeit, um sich am Abend etwas kochen zu können. Wir fragten sie, ob sie einmal in der Woche zu uns kommt, um unsere Kleider zu waschen. Dadurch hatten wir mehr und mehr Kontakt zu ihr. Englisch spricht sie nicht, doch mit Händen und Füssen können wir uns verständigen.

Eines Tages, nachdem sie mit Waschen fertig war, ging sie für jemand anderes an den Fluss Wasser holen. Auf dem Weg wurde sie von einem Motorrad (Boda) angefahren.

Sie erlitt mehrere Brüche, schwere Schürfungen und war fast zwei Wochen im Krankenhaus. Als sie wieder nach Hause kam, konnte sie kaum in ihr Haus hineingehen, da der Absatz so gross war. Da halfen wir ihr mit einer neuen Treppe.

Ihr jüngster Sohn lebte auf der Strasse. Sie konnte ihn leider nicht überzeugen, nach Hause zu kommen. Und wenn er kam, dann stahl er etwas und ging zurück in die Stadt. Kurzfristig, als der Schulalltag bereits begonnen hatte, brachten wir auch ihn in eine Internatsschule.






Ackerbau


Nach ca. vier Monaten Trockenzeit, setzte hier bereits Mitte Februar der Regen ein.

Dies war etwas früher als "normal".

Wir mieten weiterhin das Land vom letzten Jahr und dazu noch ein weiteres Feld.

Letztes Jahr sammelten wir gemeinsam mit JMEM unsere ersten Erfahrungen in diesem Bereich. Dieses Jahr ist Robert hauptverantwortlich für unsere Landwirtschaftsprojekte. Er kommt aus einer Bauernfamilie der Zentralregion Ugandas.

Er stellte ein Team aus 15 - 20 jungen Männern zusammen, die Meisten aus unserer Nachbarschaft. Es ist harte Handarbeit vom Ansäen, übers Jäten und Ernten. Einzig fürs Umgraben mieten wir einen Traktor.


Ende Februar begannen sie, das Feld zu säubern/jäten, wofür sie drei Tage brauchten.

Sie pflanzten während 15 Tage und von Hand (!) vor allem Mais und Bohnen an, was hauptsächlich fürs Kinderhaus und die Bedürftigen hier gebraucht wird.






Rückführung der aktuellen Strassenjungs


Die örtlichen Behörden übernahmen jetzt selbst Verantwortung, die aktuellen/neuen Strassenjungs nach Hause zu ihren Familien zu bringen. Die Dynamik dieser Strassenjungs hat sich durch Gewalt, Vergewaltigungen, etc. zunehmend verschlechtert. Deshalb war es umso wichtiger, dieses Problem endlich weiter anzugehen.


Im März 2026 fand eine Intensivwoche statt, wo sie über eine ganze Nacht 45 Jungs einsammelten. Sie wurden zur Polizei gebracht und am nächsten Tag dann in ein Haus, das wir von LionHeart gemietet haben. Bewusst entschieden wir uns gegen das Kinderhaus, da es dort für sie zu schön gewesen wäre.

Im gemieteten Haus wurden alle Informationen der Jungs erfasst: Personalien, Familienverhältnisse, Wohnort und die Gründe, warum sie auf der Strasse sind.

Die Registrierung wurde von den Sozialarbeitern von Kaabong durchgeführt. Wir waren erstaunt und erfreut, so viel Engagement von den Behörden zu sehen. Als LionHeart unterstützten wir sie mit anderen benötigen Dingen wie Putzarbeiten, Kochen, Zeitmanagement :), Wundbehandlungen, Fahrdienst und Sonstigem.


Nach fünf Tagen waren die meisten Jungs bei ihren Familien Zuhause. Ein paar sind ausgebrochen und weggerannt ;-) Die Eltern mussten eine Vereinbarung unterschreiben, dass sie sich von nun an um ihre Söhne kümmern und die Verantwortung für sie tragen. Das Ziel ist es, in Kaabong keine Strassenkinder mehr zu haben. Sobald ein Junge wieder auf der Strasse ist, gibt es für dessen Eltern Konsequenzen.


Wir erhielten viele positive Rückmeldungen, dass endlich etwas ging und nicht nur davon gesprochen wurde. Doch wie immer gibt es auch solche, welchen es nicht passt. In diesem Fall waren es eher wohlhabende Menschen, welche ihre Kinder auch auf der Strasse hatten...






Schweiz


Wie die meisten von euch wissen, verweilen Mirä, Nath und Nyah diese Tage noch in der Schweiz. Wir sind überwältigt und erleb(t)en eine wunderschöne Zeit. Es ist einfach schön, mit so lieben Menschen zusammen zu sein und es fühlte sich an, als wären wir nie weg gewesen. Wir sind enorm berührt von allem, was uns zuliebe getan wurde. Danke jedem Einzelnen für alles! Es überwältigt uns!


Merci auch allen, die am 29.03.2026 an den LionHeart Abend kamen.

Es freute uns sehr, dass so viele Leute dabei waren, Bekannte und Unbekannte. Wir brauchten ein wenig Zeit, um diese Emotionen zu verarbeiten. Wir genossen das Miteinander. Einmal mehr wurde uns bewusst, wie wertvoll es ist, wenn jeder sein "Ding" dazu beitragen kann, um Menschen in Not zu helfen/dienen. Sei dies in der Schweiz, Uganda oder sonst wo auf dieser Welt. Der eine betet treu, der andere ermutigt im perfekten Moment mit einem Whatsapp, wieder andere teilen ihre Finanzen, organisieren vieles von der Schweiz aus... Wir sind dankbar, so ein starkes Team in unserem Rücken zu haben. Ein besonderer Dank gilt auch dem Vorstand von LionHeart Schweiz für die gute Zusammenarbeit und alles in allem IHM - JESUS GEHÖRT ALLE EHRE!





Als Familie werden wir anschließend noch in die Ferien gehen und fahren danach nach Lira damit Joy und Amos, wie im letzten Newsletter erwähnt, die Autoprüfung absolvieren können. Dann ist schon wieder Ende April/Anfangs Mai und wir bereiten uns auf die nächsten Schulferien vor.






Aus tiefstem Herzen danken wir euch für alles!



Tschüss zämä :)

Finger's und Ssekiziyivu's













 
 
 

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